Hauptmenü Hauptmenü schließen

Gasespuren im Supermarkt

Flüchtig aber unverzichtbar

Das einzige Gas, das man im Supermarkt kaufen kann, ist Butan zum Auffüllen von Feuerzeugen. Wer einen Supermarkt betritt, denkt also wahrscheinlich nicht an Gase, sondern an Dinge wie Tomaten, Leberwurst und Spülmittel. Ohne Gase würden aber viele Waren in den Regalen nicht so aussehen, duften und schmecken, wie sie es tun, und manche wären dort gar nicht zu finden. Gases for Life hat sich im Supermarkt auf die Suche nach Spuren der flüchtigen Stoffe begeben, die im Alltag allgegenwärtig sind.

Die erste Spur finden wir bereits vor dem Eingang, wo man sich den Einkaufswagen schnappt. Bis das Eisen geschmolzen, zu Stahldraht gezogen, geformt und zur praktischen Shopping-Hilfe zusammengeschweißt wurde, haben mehrere Gase ihre Arbeit getan. So wurde wahrscheinlich Sauerstoff in den Hochofen geblasen, um die Hitzeentwicklung zu optimieren, mit Argon hat man die Stahlschmelze „gefrischt“ und die Qualität des Stahls verbessert. Während dieser im Walzwerk zum Draht geformt wird, verhindert Stickstoff im Wärmeofen die Oxidation. Nicht zuletzt sind Schutzgasgemische unverzichtbar, wenn Roboter die Drähte zu Einkaufswagen zusammenschweißen.

Gasdüngung für Tomaten

Der Einkauf beginnt am Obst- und Gemüsestand. Die Tomaten aus dem Gewächshaus könnten mit Kohlendioxid „gedüngt“ worden sein. Die Treibhausluft wird mit dem Gas angereichert, was das Wachstum fördert und höhere Erträge ermöglicht. Der Beutel mit dem vorgeschnittenen Salat enthält mit einiger Wahrscheinlichkeit ein Gemisch aus Stickstoff, Sauerstoff und Kohlendioxid, das braune Ränder verhindert und dafür sorgt, dass das Grünzeug länger knackig bleibt. Vorgeschnittener Salat spart Zeit, wie auch der schnell aufgebrühte Instantkaffee. Wenn dieser gut schmecken soll, sollte er gefriergetrocknet sein: Ein bei 200 Grad und hohem Druck gekochter Kaffee-Extrakt wird mit Luft oder CO2 aufgeschäumt und anschließend tiefgefroren. Flüssiger Stickstoff bringt die Kälte in den Kühlkreislauf. Er kühlt auch den Eiskondensator, der dem Extrakt im Vakuumtrockner das zu Eis erstarrte Wasser entzieht. Mit dem Gas lässt sich die Temperatur auf bis zu minus 100 Grad Celsius absenken. So dauert die Trocknung sehr kurz, und die Aromastoffe werden geschont.

Die richtige Mischung

Das Angebot der Wursttheke würde ohne Gase ganz anders aussehen und schmecken. Beim Mischen von zerkleinertem Fleisch werden flüssiger Stickstoff oder Kohlendioxid als Kältemittel in den Mischer eingebracht, zum Beispiel mit dem Variomix-Verfahren von Messer. Das tiefkalte Gas entzieht die Wärme, die durch das Mischen entsteht. Die für die Haltbarkeit wichtigen niedrigen Temperaturen werden während des Mischprozesses durchgehend eingehalten. Nach demselben Prinzip werden auch Knetmaschinen bei der Herstellung von Backwaren gekühlt. Die Variomix-Methode wird auch bei der Produktion von pulverförmigen Lebensmitteln wie Tütensuppen oder Instantprodukten eingesetzt. Beim Verkapseln von Pulvern sorgt es dafür, dass die Bestandteile körnig und rieselfähig bleiben. Was auf dem Eis der Fischtheke liegt, hat eine Reise durch die Kühlkette hinter sich. Wenn die Qualität der Meereserzeugnisse im küstenfernen Supermarkt der eines frisch gefangenen Fisches nahezu entspricht, ist das auch einem modernen Frostverfahren unter Einsatz eines tiefkalten Gases zu verdanken. Wichtig ist das Tempo der Abkühlung beim Tiefgefrieren. Ist es zu langsam, bilden sich im Gefriergut große Eiskristalle, welche die Zellen beschädigen – Vitamine, Nähr- und Aromastoffe gehen verloren. In den Cryogen-Rapid-Frostanlagen von Messer werden Lebensmittel mit flüssigem Stickstoff oder Kohlendioxid darum innerhalb kürzester Zeit gefrostet. So trägt das Verfahren auch zum Schutz der Fischbestände bei: Schonzeiten können eingehalten, die Verbraucher trotzdem übers ganze Jahr mit ihrem Lieblingsfisch beliefert werden.

Aromen und Düfte

Zum Fisch gibt es Weißwein, dessen Gärtemperatur mit Trockeneis abgesenkt wurde. So bleiben die fruchtigen Aromen der Traube erhalten. Bei der Reifung der edlen Tropfen drückt ein inertes Gas die Luft aus dem Tank und verhindert ihre Oxidation. Aber auch in den anderen Getränkeregalen findet sich kaum ein Produkt, bei dessen Bereitung oder Abfüllung nicht mindestens ein Gas dabei gewesen wäre. Das beginnt beim Kohlendioxid, das die Limonade sprudeln lässt, und hört beim Tropfen Stickstoff im Kopfraum einer Fruchtsaftflasche noch lange nicht auf. Neben dem Oxidationsschutz sorgt das Gas dort für den Druck, der das dünnwandige PET-Gefäß stabilisiert. Bei den Reinigungsmitteln und Kosmetikartikeln waren Gase an vielen Schritten in der Entstehung der meisten Produkte beteiligt. Unter anderem helfen sie dabei, natürliche Duftstoffe unversehrt aus den Rohmaterialien zu gewinnen. Bei einem bestimmten Verhältnis von Druck und Temperatur gelangt Kohlendioxid in den superkritischen Zustand – ein Zwischending zwischen flüssig und gasförmig. Dabei bekommt es eine enorme Lösungsfähigkeit und kann zum Beispiel ätherische Öle zugleich schonend und effizient aus Pflanzen extrahieren. Erst bei der letzten Extraktion im Supermarkt – des Geldbeutels aus der Tasche – kommt man tatsächlich ganz ohne Gase aus.

Seite empfehlen:

Sprache